14. Forum Caritas München
Referentin: Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz
Jahrgang 1945, Studium, Promotion und Habilitation in Philosophie in München (LMU); seit 1993 Lehrstuhl für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaften an der TU Dresden; Forschungsgebiete: Edith Stein, Romano Guardini, Simone Weil, John Henry Newman, Religionsphilosophie des 19. und 20. Jahrhunderts.
Jahrgang 1945, Studium, Promotion und Habilitation in Philosophie in München (LMU); seit 1993 Lehrstuhl für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaften an der TU Dresden; Forschungsgebiete: Edith Stein, Romano Guardini, Simone Weil, John Henry Newman, Religionsphilosophie des 19. und 20. Jahrhunderts.
Die Lebensalter in einer alternden Gesellschaft - Anthropologische und religionsphilosophische Überlegungen (Thesen)
Die Lebensalter waren in ihrer unterschiedlichen Dynamik immer wieder Thema der bildenden Kunst, der Literatur, der Philosophie. Dabei kam dem eigentlichen Alter der schwierigste Part zu: der Part des Abstiegs, des leiblichen und geistigen Verfalls, an dessen Ende der Tod steht. Ob er tatsächlich durch Weisheit, Reife, Gelassenheit, Demut aufgewogen wurde, hing stark vom Einzelnen und seinen Lebenseinstellungen ab. Eine ausgeprägte Kultur des Sterbens bereitete auf dieses Ende vor: War es wirklich nur Ende, oder auch Ziel, mit dessen Erreichen sich eine neue Lebenswirklichkeit nachtödlich eröffnete?
Eine heutige umfassende Hochschätzung von Jugendlichkeit kann dem Alter als Lebensphase wenig abgewinnen – am Besten sollten auch die Alten noch jung sein und bleiben. Eine ausgeprägte Wellness-Kultur vermeidet die Frage nach dem Tod, erst recht nach dem Sinn des Alterns und Sterbens. Es scheint auf eine biologische Antwort hinauszulaufen: Wenn schon unumgänglich, dann geräuschlos abtreten (am besten „selbstbestimmt“). Ist aber diese „Jugendlichkeit“ selbst angstfrei? Was heißt Jungsein heute, wenn sein Pendant, das Altsein, so an den Rand gedrängt wird? Nach wie vor sind daher Sinnfragen zu stellen: und zwar nicht nur nach unterschiedlichen „Phasen“ des Lebens, sondern nach dem Gesamt des Lebensvollzugs. Humanes Leben bedarf alter und neuer Erfahrungen der Kultur von Sinn und Wert, die über aktionistische und rein körper- und gefühlsbezogene Selbsterfahrung hinausgehen.
Die Lebensalter waren in ihrer unterschiedlichen Dynamik immer wieder Thema der bildenden Kunst, der Literatur, der Philosophie. Dabei kam dem eigentlichen Alter der schwierigste Part zu: der Part des Abstiegs, des leiblichen und geistigen Verfalls, an dessen Ende der Tod steht. Ob er tatsächlich durch Weisheit, Reife, Gelassenheit, Demut aufgewogen wurde, hing stark vom Einzelnen und seinen Lebenseinstellungen ab. Eine ausgeprägte Kultur des Sterbens bereitete auf dieses Ende vor: War es wirklich nur Ende, oder auch Ziel, mit dessen Erreichen sich eine neue Lebenswirklichkeit nachtödlich eröffnete?
Eine heutige umfassende Hochschätzung von Jugendlichkeit kann dem Alter als Lebensphase wenig abgewinnen – am Besten sollten auch die Alten noch jung sein und bleiben. Eine ausgeprägte Wellness-Kultur vermeidet die Frage nach dem Tod, erst recht nach dem Sinn des Alterns und Sterbens. Es scheint auf eine biologische Antwort hinauszulaufen: Wenn schon unumgänglich, dann geräuschlos abtreten (am besten „selbstbestimmt“). Ist aber diese „Jugendlichkeit“ selbst angstfrei? Was heißt Jungsein heute, wenn sein Pendant, das Altsein, so an den Rand gedrängt wird? Nach wie vor sind daher Sinnfragen zu stellen: und zwar nicht nur nach unterschiedlichen „Phasen“ des Lebens, sondern nach dem Gesamt des Lebensvollzugs. Humanes Leben bedarf alter und neuer Erfahrungen der Kultur von Sinn und Wert, die über aktionistische und rein körper- und gefühlsbezogene Selbsterfahrung hinausgehen.


