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Geprüft und empfohlen

14. Forum Caritas München

13. FCM

Referent: Prof. Dr. Andreas Kruse

Direktor des Instituts für Gerontologie an der Universität Heidelberg: „Potentiale des Alters in Gesellschaft und Wirtschaft“

Geboren im Jahre 1955, verheiratet mit Sylvia Kruse-Baiker, 2 Kinder, 2 Enkelkinder.
Studium der Psychologie, Philosophie und Musik an den Universitäten Aachen und Bonn sowie an der Musikhochschule Köln.
Im Jahre 1986 Promotion in Psychologie, im Jahre 1991 Habilitation in Psychologie.
Gründungsdirektor, Gründungsprofessor, Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie der Lebensspanne und Pädagogische Psychologie am Institut für Psycholo-gie der Universität Greifswald (1993-1997).
Seit 1997 Ordinarius, Direktor des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg.
1st International Presidential Award of the International Association of Gerontology, Max Bürger Preis der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie, Erster Generationenpreis des Landes Rheinland-Pfalz, Forschungspreis der Deutschen Gesellchaft für Gerontopsychiatrie and Gerontopsychotherapie.
Mitglied des 15köpfigen Technischen Komittes der Vereinten Nationen zur Erstellung des International Plan of Action on Ageing. Vorsitzender der Altenberu-ichtskommission der Bundesregierung. Vorsitzender der Kommission “Altern” der Evangelischen Kirche Deutschland.
Mitverantwortlich für die Ausrichtung des European Master in Gerontology sowie Mitglied des EU-USA-council Intergero.




Prof. Dr. Andreas Kruse, Gerontologe der Universität Heidelberg

Potenziale des Alters – individuelle und gesellschaftliche Perspektiven
(Thesen)


Mit dem Begriff „Potenziale des Alters“ wird die Gesamtheit all jener Ressourcen bezeichnet, die sich im Sinne einer Optimierung von Alternsprozessen und/oder gesellschaftlichen Entwicklungen nutzen lassen. Der Begriff des Potenzials verweist immer auf einen möglichen Verwendungszusammenhang, nämlich die zur Verwirklichung eines bestimmten Zwecks (der in der Person selbst wie auch in der Umwelt und Gesellschaft liegen kann) zur Verfügung stehenden Mittel. Aus individueller Perspektive sind die Potenziale des Alters vor allem für eine an persönlichen Ziel- und Wertvorstellungen orientierte Gestaltung der Lebenssituation im Alter sowie für die Möglichkeiten der Antizipation und Gestaltung von individuellen Alternsprozessen bedeutsam („Eigenprodukti-vität“). Aus gesellschaftlicher Perspektive steht dagegen die Frage im Vordergrund, wie die mit dem demografischen Wandel verbundenen Herausforderungen bewältigt werden können: Inwieweit können durch eine gezielte Erweiterung und Nutzung der Potenziale des Alters intergenerationelle Solidarität gefördert, Generationengerechtigkeit gewahrt und nicht zuletzt sozialstaatliche Leistungen auch für die Zukunft garantiert werden?
Wenn über Potenziale des Alters diskutiert wird, dann stehen häufig finanzielle Erwägungen im Vordergrund. Doch ist der Begriff Potenziale des Alters weder auf die Nutzung der finanziellen Ressourcen älterer Menschen noch auf den Zweck, die Beiträge zur Finanzierung sozialer Sicherungssysteme zu senken, beschränkt.
Zu den Potenzialen im Alter gehören neben materiellen Ressourcen insbesondere Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Lernfähigkeit, Interesse, Zeit, Erfahrungen und Wissen. Wenn hier von Potenzialen des Alters gesprochen wird, dann ist damit nicht gemeint, dass sich entsprechende Potenziale schon allein deshalb entwickeln, weil Menschen älter werden. Auch ist durch den Hinweis auf bestehende Potenziale noch keine optimistische Prognose hinsichtlich des Verlaufs von Alternsprozessen in späteren Kohorten, der Entwicklung von Arbeitsmarkt und Innovationsfähigkeit oder des Bestandes und der Tragfähigkeit bestehender Unterstützungssysteme getroffen. Der Begriff Potenziale des Alters verweist vielmehr auf eine doppelte Verpflichtung: Aus individueller Perspektive ergibt sich aus der Möglichkeit einer Ausbildung und Nutzung von Potenzialen die Verpflichtung zu einer selbst- und mitverantwortlichen Lebensführung; aus gesellschaftlicher Perspektive verweisen die Potenziale des Alters auf die Verant-wortung der Gemeinschaft, motivationale, soziale, kulturelle und institutionelle Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine Verwirklichung von Potenzialen begünstigen. Bezogen auf die Arbeitswelt bedeutet dies etwa, dass sich aus der Tatsache, dass die Lern- und Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmern durch kontinuierliche Fort- und Weiterbildung und eine „altersgerechte“ Arbeitsplatzgestal-tung aufrecht erhalten werden kann, für ältere Arbeitnehmer, dass diese sich um eine Aufrechterhaltung seiner Arbeitsfähigkeit bemühen müssen, etwa indem sie Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten nachfragen und nutzen, verant-wortlich mit Gesundheit umgehen etc.. Dagegen ergibt sich für die Gesellschaft die Verpflichtung, Beschäftigungshemmnisse abzubauen, Anreizsysteme zu schaffen, die Erwerbstätigkeit im Alter fördern ohne Beschäftigungsmöglichkeiten Jüngerer in unzulässiger Weise einzuschränken, Altersgrenzen branchen-spezifisch zu flexibilisieren oder auch für die potenzielle Leistungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer zu sensibilisieren.








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